Auguste – premium junkfood

Auguste [ɑɡyst] ist in der Stadt.

[ɑ ɡ y s t]: klingt schwer französisch.
Denke sofort an lecker Sachen wie Belon-Austern, bretonischen Hummer, Crêpes und Fromage blanc.
An meinem virtuellen Magen zieht die Provence mit ihren aromatischen Kräutern, und die Bourgogne mit ihren Weiß- und Rotweinen vorbei.
Also hin ins Auguste [ɑ ɡ y s t], Rodin, Barthélemy oder Vérité können nicht irren mit ihren Vornamen, hier kann man sicher gut die “Cuisine Francaise” genießen, die “kulturell entwickeltste Art der Speisenzubereitung”.

Auguste [ɑ ɡ y s t]: zergeht irgendwie auf der Zunge, wenn man es lange rollen lässt.

Wie ich dann so in der Nürnberger Südstadt, in einer kleinen Seitenstraße meinen Parkplatz suchend, den ersten Blick über das Lokal schweifen lasse, da verwelken die Kräuter, und der Rotwein zeigt die ersten Anzeichen einer schweren Verkorkung.

Auguste – premium junkfood. Wat? P R E M I U M J U N K F O O D !?
Sowas gibt es also auch schon. Quasi die Haute Cuisine der Schnitzel, Döner, Currywürste, Burger, Pommes & Co.? Ja, bin ich denn nicht schon gestraft genug?

Also doch nicht Französisch, heute wieder mal die schnelle Mahlzeit. Na, wenn ich schon mal da bin.

Die Jungs mit ihren Beanie-Mützen, ihren Jeans im Used-Look bis fast in die Kniekehlen und den Hoodys würde man auf den ersten Blick eher der Skater-Szene zurechnen, als sie hier hinter Pfanne und Kochtopf zu vermuten. Der Koch, der durchs Lokal schlappt und guckt als sei ihm grad sein Brett beim Double-BackFlip-über-den-Herd zerbrochen, macht aber einen lecker Burger. Da kann man nicht meckern.

In ihrem kleinen Mix aus Imbiss, Mini-Restaurant und umgebauter Wohnung bieten sie zusätzlich vieles in Bio-Qualität und aus regionalem Anbau an. CO2-neutrale Augustenburger, BIOland-zertifizierte Currywürste: was es alles gibt. Das Vieh also artgerecht gehalten, synthetische Pestizide und Stickstoffdünger aus dem Produktionskreislauf rausgelassen: Prima. Da bestell ich doch gleich noch ´nen zweiten Burger, dann amortisiert sich für mich die weite Anfahrt^^

Die Preise absolut verträglich, der Bürgerburger mit €3,50 im Mittagsangebot fast schon zu günstig, die handgeschnitzten Augustenpommes (€2,50) mal was anderes: ein nettes Konzept, alles sehr stimmig. Selbst die Einrichtung macht einen ‘handgeschitzten’ kunterbunten Eindruck.

Kommt offenbar auch gut an wenn man so die Bewertungen überfliegt. Meine Empfehlung haben sie, ich komme wieder.

Advertisements

GinBo

Spritgemischt hats Hirn versagt. Ungefragt.

Der Name ist Programm. Hier gibts Gin. Ähnlich der natürlichen Selektion im Tierreich, wo Geschwindigkeit und Gesundheit der Gruppe durch natürliche Auslese der Schwächsten und Langsamsten (Elend und Krank) verbessert werden, kann man auch davon ausgehen dass die alten und grauen Gehirnzellen durch übermäßige Einnahme von Alohol zuerst abgetötet werden.
Fast logisch also dass mein Gehirn morgen wieder nen Ticken effizienter ist.
Im Ginbos gibts den infantilen Vollrausch am Paseo de Mallorca, Gin bis zum Abwinken (wenns denn zum Winken noch reicht), Aloholverweigerer gehen nach nebenan. Hier wird noch friedlich und unpolitisch der Frust einfach mit Hochprozentigem weggespült, Gin soweit das trübe Auge reicht.

Regelmäßiger Aloholkonsum und Komasaufen, Straßenterror und Studentenrevolten? Trinkhallen die sich bereits Vormittags erhöhter Einnahmen erfreuen? Hinter dieser Bar können sich Ärzte und Suchtexperten ihre nächste Studie zum Thema ausdenken. Mit viiiiiel Gin:

Hartz IV, Sozialhilfe und Kindergeld der abgehängt-prekären Eltern werden direkt wieder in die Wirtschaft gepumpt, der große Sittenverfall und Flatratesaufen nur einen Stamperl entfernt, die spanische Jugend am Morgen danach brav im Koma liegend bekommt die ‘Ola potrida’ intravenös und ohne Einlage eingeflößt. Höher, schneller, hochprozentiger, jedes Wochenende eine neue Herausforderung, die zu erreichenden Promillewerte werden in fröhlicher Runde am Vorabend abgeklärt.
Negativer Nebeneffekt: Der späte Gast ruht still und friedlich an irgend einer Straßenecke in seinem Erbrochenem. Oder er macht das beste draus, das Leben ist eh nur noch im Vollrausch zu ertragen, und fällt nach dem 23ten Gin tot um, um dem spanischen Sozialsystem nicht weiter zur Last zu fallen. Höflich ist man ja hier in Spanien.
Positiver Nebeneffekt: Wer literweise Ginsaufen ohne Granatenschädel überlebt und es anschließend (mit einer Amplitude von knapp 3,5 Inches und schlüpferige Lieder gröhlend) noch mit dem Roller ins Titos schafft pimpert alles was nicht schnell genug den Ausgang findet.
Und so trägt auch das Ginbos zu einer deutlichen Steigerung der spanischen Geburtenrate bei.
Tage, die zeichnen. Lebenslang^^

Born 8

Born 8. Hatter neues Lieblingscafé. Hatter echt. Hatter sich von der Gastrobar abgewendet. Ja aber warum hatter denn?

Die Problematik des Wiederkehrers mit ausgeprägtem Stammgast-Image, des Gastes der zu oft kommt: Er wird zum Inventar. Er wird selbstverständlich. Er kommt eh immer wieder. Er wird: Unsichtbar. Verschmilzt mir der Wand. Oder dem Stuhl. Extra Schlanke verschmelzen im Winter wenn sie Pech haben sogar mit dem Heizstab.

Und so wartet er und harrt der Dinge, die da nicht kommen, hungert, dürstet, verzweifelt winkend, wünscht sich einen plärrenden ADHS-Nasenbohrer der grad publikumswirksam landet, denkt an Blinklichter auf dem Kopf oder große Pappschilder und merkt schnell dass unsichtbare Blinklichter und Pappschilder…
Aber ich schweife ab… gehen wir ein paar Meter…

…zu Jaime, Francisca und Mateu, die mittig am Paseo de Born, vis-à-vis vom Palast Can Alomar, schon eine Weile ein gemütliches Café am Laufen haben und seit diesem Sommer auch in der Mitte des 15 Meter breiten Paseo Tische und Stühle aufstellen dürfen. Gegen den Willen der Denkmalschutzvereinigung ARCA, aber lass sie schreien.

Miesepeter gibt es immer und wie schon weiter oben auf der Rambla, wo Außenplätze der Anrainer-Cafés und Bars seit längerem eine nette Alternative zu den unzähligen Blumenständen darstellen (schon mal versucht im Blumenstand ‘nen vernünftigen Espresso zu bekommen?), wird es hoffentlich auch hier mit der Außenbewirtschaftung weitergehen.

Auch innen is(s)t es (sich) hier sehr gemütlich, die Sitzbänke laden zum längeren Verweilen ein, die Stühle weniger. Die reserviere ich immer fürs erste Date. Die Art von Date bei dem schon die ersten 5 Minuten zu gefühlten Stunden werden, man nur noch an die Hintertür oder Selbstmord denkt, die Bestände vom Ginbo auf EX’ plötzlich keine Hürde mehr darstellen und sogar eine mit „Lady Schnatterley“ Gisela Schlüter geteilte Innenkabine auf ‘nem Kreuzfahrer entspannender war.

Der Espresso günstig, die Snacks und Speisen sehr gut, die Atmosphäre ruhig, der Service freundlich und ein paar Steckdosen immer in Reichweite. Meine Empfehlung.

Bahia Mediterráneo

Hier geht’s gediegen zu. Ambiente meets Aussicht. Etwas versteckt oberhalb des Paseo Maritimo im 5 Stock des ‘Edificio Mediterraneo’ liegt das “Bahia Mediterráneo” mit einem zugegeben fantastischen Blick auf die Bucht und den Hafen von Palma. Das altehrwürdige Hotel “Mediterráneo” mit neuer Magie. Touristen wünschen sich ja nichts sehnlicher, als in edlem Umfeld mit woah-Effekt speisen zu können. Hier problemlos möglich.

Vom Maitre über Marmorböden durch einen großen Saal geführt, vorbei an goldverzierten Säulen, schweren Stoffvorhängen, durch Türen eingerahmt von spinnenförmigen Kristallfenstern, raus auf die sonnenbeschirmte Terrasse hin zu Tischen gedeckt mit edlem Porzellan und funkelndem Kristall, eine exklusiv und variierend internationale Speisenkarte auf den Gast wartend: hier werden Touristen-Träume war. Menüs (spezialisiert ist man auf Fisch) ab ca. €40.00.

Sehr vornehm alles, vom Eingang bis zum Ausgang.

Cappuccino Paseo del Borne

Cappuccino Paseo del Born unterscheidet sich auch diesmal durch den nicht vorhandenen Palazzo oder Stadtpalast. Hier sind wir untergebracht in einer klassischen Häuserzeile neben Mc-Donald, Bar Bosch & gegenüber Gastrobar, mit sehr großem Aussenbereich direkt an der Straße. Das Cafe liegt am Placa Rei Joan, Verkehrs-Knoten-Kreisel mitten in der Stadt, touristisch eine ganz andere Kategorie in dem Cafe, also eher 1C-Lage und Ambiente.

Somit also fast nichts wie sonst:
Weniger Style, mehr Schlappen.
Weniger Hugo Suenos de Sauco, dafür vorbeirollende Mc-Donald Tüten (ist fast wie im Wilden Westen, wenn die Trockensträucher durch die Stadt kullern).
Porzellantassen gibt es, aber auch eine Anhäufung von mitgebrachten Plastikflaschen Wasser.

Der Ballermann nicht mehr entfernt wie ein fremder Planet, sondern nahe wie ein schlecht geschnitter Zehennagel. Cappuccino Paseo del Born also Treffpunkt der Generation “Tütenträger”: Unterm Tisch grüßen diesmal Tennissocken und C&A, unter den Lehnen Schiesser-Feinripp hervor.

Für mich das Cafe 3te Wahl wenn es um einen Espresso (weiterhin unverständlicherweise ohne Wasser, liest auch hier denn keiner mit?) geht. Gegenüber gibts alles 20% gùnstiger.

Abzüge gibt es heute in zweierlei Hinsicht:
Ich werde wieder geflissentlich ignoriert was eine Zweitbestellung angeht (die Preise sind so hoch, da reicht offensichtlich ein Umsatz pro Gast/ Tag) und der Kopfhörer reicht nicht bis auf die Schüssel.