GinBo

Spritgemischt hats Hirn versagt. Ungefragt.

Der Name ist Programm. Hier gibts Gin. Ähnlich der natürlichen Selektion im Tierreich, wo Geschwindigkeit und Gesundheit der Gruppe durch natürliche Auslese der Schwächsten und Langsamsten (Elend und Krank) verbessert werden, kann man auch davon ausgehen dass die alten und grauen Gehirnzellen durch übermäßige Einnahme von Alohol zuerst abgetötet werden.
Fast logisch also dass mein Gehirn morgen wieder nen Ticken effizienter ist.
Im Ginbos gibts den infantilen Vollrausch am Paseo de Mallorca, Gin bis zum Abwinken (wenns denn zum Winken noch reicht), Aloholverweigerer gehen nach nebenan. Hier wird noch friedlich und unpolitisch der Frust einfach mit Hochprozentigem weggespült, Gin soweit das trübe Auge reicht.

Regelmäßiger Aloholkonsum und Komasaufen, Straßenterror und Studentenrevolten? Trinkhallen die sich bereits Vormittags erhöhter Einnahmen erfreuen? Hinter dieser Bar können sich Ärzte und Suchtexperten ihre nächste Studie zum Thema ausdenken. Mit viiiiiel Gin:

Hartz IV, Sozialhilfe und Kindergeld der abgehängt-prekären Eltern werden direkt wieder in die Wirtschaft gepumpt, der große Sittenverfall und Flatratesaufen nur einen Stamperl entfernt, die spanische Jugend am Morgen danach brav im Koma liegend bekommt die ‘Ola potrida’ intravenös und ohne Einlage eingeflößt. Höher, schneller, hochprozentiger, jedes Wochenende eine neue Herausforderung, die zu erreichenden Promillewerte werden in fröhlicher Runde am Vorabend abgeklärt.
Negativer Nebeneffekt: Der späte Gast ruht still und friedlich an irgend einer Straßenecke in seinem Erbrochenem. Oder er macht das beste draus, das Leben ist eh nur noch im Vollrausch zu ertragen, und fällt nach dem 23ten Gin tot um, um dem spanischen Sozialsystem nicht weiter zur Last zu fallen. Höflich ist man ja hier in Spanien.
Positiver Nebeneffekt: Wer literweise Ginsaufen ohne Granatenschädel überlebt und es anschließend (mit einer Amplitude von knapp 3,5 Inches und schlüpferige Lieder gröhlend) noch mit dem Roller ins Titos schafft pimpert alles was nicht schnell genug den Ausgang findet.
Und so trägt auch das Ginbos zu einer deutlichen Steigerung der spanischen Geburtenrate bei.
Tage, die zeichnen. Lebenslang^^

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Abaco


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Abaco.
Gemüsemarkt trifft Stadtpalast, oder auch: Obstmelangerie meets Palazzo.
Eine ‘Manneken-Pis’ Variation auf dem Thresen feixt leise in sich hinein: “Hier wird nicht ‘Wasser gelassen’, hier wirst du zur Ader gelassen”.
Northgermans und jocho haben es schon gut umrissen, ich wollte einfach mal ein paar Bilder mitliefern und hab mir die Fotoreportage nach langer Abaco-Abstinenz mit einem Wasser teuer erkauft. Wusste aber ja schon vorher warum ich hier so selten bin.
Die Gastronomen, im Nebenberuf wohl Gemüsegroßhändler, bieten meiner unmaßgeblichen Meinung nach Nepp in Reinform zerstoßenes Eis zu eeetwas abgehobenen Preisen an. Palazzo und Innenhof beeindruckend, aber in Palma nicht so außergewöhnlich (bis auf die Palazzo-Gemüse-Kombi). Derer gibt es weniger.
Die Preise starten durch bei €6.- für ein kleines Wasser (sowas bestellt man ohne eine Karte zu Gesicht zu bekommen), Cocktails ab €16.-, nach oben ansonsten kaum Grenzen gesetzt beim leeren der Gästeportemonnaies. Selbst in Dubai, wo der Wein erst im Kamelhöcker mehrere Wüsten durchqueren muss, ist der Rioja günstiger.
Herrlich zu beobachten wie Knut und seine Holde ihren Café Irlandés (ein schnöder Irish Coffee) vorgesetzt bekommen und (jetzt hätte ich mich fast bepinkelt auf der anderen Seite der Bar) er (also Knut) beim Hinstellen des Glases recht anerkennend nickt.
Ich kann gar nicht schreiben wie ich diesen ‘Nicker’ beschreiben soll.
“hmmm, schau Schatz, das Sahnehäubchen und der bunte Strohhalm, hadder das nicht hübsch gemacht, unser Barkeeper. Und kostet auch nur je €16.-, der Kaffee mit Schuss…”.
Nebendran auf dem Thresen hat sich die ‘Manneken-Pis’ Kopie auch nur mäßig bewegt: “kling, ratter, €32.- für zwei Tassen Kaffee, Zucker, Whiskey, und viel Sahne: Da geht noch mehr…”.
Mich hat ‘Manneken’ nach meiner Wasserbestellung sowieso nur ignoriert.
Was ansonsten die eine oder andere Qype-Wertung angeht: Die lesen sich als habe mancher direkt nach dem Eintritt einen schweren Histaminschock erlitten. Gemüse, Stein- und Kernobstallegien sind ja häufig Auslöser für sowas. Kann man sich wirklich von einer LKW-Ladung Obst, die in einem Raum ausgeschüttet wird, so blenden lassen? Tomaten auf den Augen, wa? (höhö, kleine Stichelei)

Um mal auf die “gebotene Show…” “hervorragend präsentierter Cocktails…” im “free pouring” Verfahren näher einzugehen:

Es wird z.B. ein ca. 200ml Glas genommen ’gähn’, dekoriert mit einem Stück Kokosnuss ’gähn’ , zu 3/4tel mit zerstoßenem Eis aufgefüllt ‘gähn’ (das danach nicht mehr vorhandene Rauminnenvolumen des Glases kann sich jeder ausrechnen), mit Milch aus dem Tetrapack bis zur Eishöhe (jetzt sind wir bei ca. 4/5tel Glas) aufgegossen ‘gähn’ und dann mit etwas Batida-de-Coco zu 5/6tel Endstand ergänzt ‘gähn’. Diese “Verhältnismäßigkeit” war bei allen Cocktails zu beobachten.
Macht minimal €16.-/ Glas, ohne Show, fliegende Flaschen, sich in der Handfläche drehende Shaker, ein Lächeln oder sonstige Annehmlichkeiten. Nur eine Portion ‘gähn’^^ gabs umsonst. Diese unverholen zur Schau gestellte Langeweile und Überheblichkeit macht auch letztendlich den Abzug in der B-Note. Der Palazzo kann ja nix für die Bar die sich hier eingenistet hat.
Hier ist man -spürbar- mehr “zahlender” als “gern gesehender” Gast, und man zahlt für den schnappschießenden Touristen, der alle paar Minuten in den Innenhof einfällt, letztendlich mit. Das sollte man in Erinnerung behalten.Mein Tipp: lauft mal eine 8 um den Block. Ihr werdet euch wundern…
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Ich hätte mir noch ‘nen Apfel einstecken sollen.
gähn…