Artischocke – Hagen

In den Hagener Elbershallen, heute Freizeit und Kulturfabrik auf historischem Gelände findet sich die Artischocke. Ich persönlich stehe auf alte Fabrikhallen, die Symbiose von altem mit neuem. Die Räumlichkeiten brillant, bodentiefe Fenster, die alten Gemäuer: ich würde hier glatt einziehen. Erst recht wenn es gut schmeckt.

Die Artischocke ist ein Allround-Italiener mit Restaurant und Bistro: Italienischer Charme, gute Laune, auf der linken Seite beim Hereinkommen eine Frischetheke und Bar, im hinteren Bereich eine fast raumbreite offene Küche, rechts durch ein paar Bögen abgetrennt ein etwas kleinerer Bereich, oben noch ein weiterer Raum der wohl auch für Veranstaltungen genutzt wird.

Im Hauptraum die Tische so eng aneinander gestellt dass der Ober, vorne bei der Arbeit, sein Hinterteil fast auf dem Nebentisch ablegen kann. Hier ist man also klar auf höchstmöglichen Umsatz (Hauptgerichte ca. 17 – 23 €) durch die größtmöglich erreichbare Gästezahl eingestellt.

Durch die offene Gestaltung und die eng gestellten Tische mangelt es an Privatsphäre, die Lautstärke den Räumlichkeiten geschuldet extrem hoch. Meine Empfehlung: eine Reservierung im hinteren etwas abgetrennten Teil.

Der Service außerordentlich gut und aufmerksam, da kann man auch schon mal über ein komplett vergessenes Essen das noch nachgekocht werden muss hinwegsehen. Das Essen durch die Bank lecker.

Zwei Sterne bei so viel Begeisterung (vier hätte ich gerne gegeben): da musste es doch einen Haken geben. Den gibt es, wie so oft, auch diesmal. Leider. Versteh ich selber nicht dass mir sowas immer auffallen muss.

Wie ich so meine Augen durch den Raum schweifen lasse, während die Begleiter versuchen ihr Gesprächsthema auf einem hörbaren Niveau einzupendeln, fällt mein Blick in die netterweise offene Küche.

Hier steht die “Brigade de Cuisine”, vier Mann stark, zwei davon als Köche tätig, zwei widmen sich der Aufgabe des “Annonceurs” (Nachbereitung, Garnitur, Ausgabe an den Service).
Statt sich jedoch genau nur jener letzteren Aufgabe zu widmen, muss ich einem der beiden minutenlang dabei zu sehen wie er sich an allen vorhandenen Flächen seines Kopfes rubbelt und kratzt.

Es juckt an der linken Backe, an der rechten und wohl auch unterm Kinn.
Es piekt unter der Nase und der Dreitages-Bart möchte geglättet werden.
Es krabbelt am Ohr, um den Mund und auch die Haare sitzen wohl nicht richtig.

Ist man fertig mit der Gesichtspflege, dann widmet man sich direkt wieder seiner Hauptaufgabe: Nachbereitung, Garnitur…

Bisher war ich der Überzeugung dass der Bereich ab den Ellenbogen aufwärts in der Küche zum Hygienebereich zählt. Sollte ich mich sooo geirrt haben? Ich denke: Nein.

Als Lektüre bis zu meinem nächsten Besuch empfehle ich dem Gastronomen den Vortrag von Prof. Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung, zu Ursachen & Prävention von Lebensmittelinfektionen.

Staphylokokken, Salmonellen, Campylobacter jejuni, Yersinia enterocolitica und darmpathogene E. coli-Stämme lassen grüßen!

Update April 2012:
….nach meinem nächsten Besuch: Ich erhöhe hiermit um dauerhaftes Fingernägelkauen einer Küchenkraft und reduziere um einen weiteren Stern. Schade. Vielleicht sollte man doch lieber die Küche zumauern oder da drin das Licht ausmachen.

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