Horrach Moya

Die Galerie Moyá liegt in einer Ecke die eher einer Ghettobesichtigung als dem Besuch einer Galerie ähnelt. Müllcontainer und grau-braune Betonbunker, deren erbärmliches Erscheinungsbild durch schlecht gesprühte Graffities nur noch verstärkt wird, flankieren die Galerie. Stadtpalast ist hier jedenfall nicht. Nirgendwo. Moyá ist trotzdem eine der traditionellen Galerien Palmas. 1988 gegründet, 2000 renoviert, und mit zwei Ausstellungsebenen immer an den goßen Ausstellungsevents Palmas (wie auch zur Zeit zur Nit de l´Art 2012) beteiligt.

Sah es zu PalmaPhoto 2012 in der Galerie noch aus wie zu später Stunde in Berlins Seitenstraßen, so setzt die Galerie diesmal auf einen international angesehenen Künstler, dessen Werk vom Dialog und der Konfrontation mit dem Besucher lebt.

Vasco Araújo mit <Identity Stories>
Vasco Araújo ist einer der wichtigsten Künstler in der zeitgenössischen Kunstszene Portugals. Verschiedene Kunstformen, einschließlich Fotografien, Skulpturen und Videoinstallationen sind sein Handwerkszeug.


(Insula…)


(Insula…)

In Identity Stories verwendet er metaphorische Erzählungen von Einsamkeit und verpassten Begegnungen, um den Zwiespalt zwischen Real und Irreal bildhaft darzustellen.

Zwei Videoinstallationen begleiten die Ausstellung:
Vulcano (2012, die Verfilmung von 26 Vulkan-Gemälden aus dem achtzehnten Jahrhundert, begleitet von sechs Werken auf Holz, bemalt mit Vulkanen und Phrasen aus dem Video), und
Ínsula (2010, die Darstellung einer Reihe von 14 Zeichnungen auf Karton, inspiriert von Karten die im Mittelalter entstanden sind).


(Vulcano…)
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Vasco Araújo (born Lisbon, 1975) explores the identity and complexity of personality by means of disguise, narrative and language.In Identity stories he uses metaphorical narratives, plots of loneliness and missed encounters, to allegorically represent the change in man, and the dichotomy between the real and unreal.

Two video-works accompanie the exihibition:
Vulcano (2012, a filming of 26 copies of paintings of volcanoes from the eighteenth century, while a text speaks of the parallel between a volcanic eruption and the psychological revolution of man, accompanied by six wall mounted works on wood panels painted with volcanoes and phrases from the video), and
Ínsula (2010, a representation of a series of 14 drawings on cardboard inspired by maps drawn in the middle ages, leaving room for physical and psychological comparison between an island and humans, where a change in any situation or physical condition makes the original condition become absolutely unrecognizable), using the inner solitude as an impetus for the construction of identity and reinvention.

Vanrell


(kake portas, Ceràmica i ferro)

Die Galerie Vanrell erstreckt sich mit 1000m² über fünf Etagen, die teils monografische Ausstellungen (auch an beweglichen Wänden), teils Malerei, darstellende Bildhauerkunst, Gemälde von verstorbenen Malern, oder Malern und Bildhauern mit avantgardistischer Technik und Thematik zeigen. Eine Galerie mit der ich immer noch nicht warm werden kann.

Zur Nit de l´Art 2012 konzentriert man sich auf ‘Manolo Valdés’ und seinen eigenen unverwechselbaren Stil, der sich aus dem Studium der unterschiedlichen Kunstepochen formte. Am Anfang zeigte er enge Bindungen mit der nordamerikanischen Pop-Art und dem abstrakten Expressionismus und ging später auch zur Figuration als seinen persönlichen Anzeigemechanismus für politische Statements über. Bekannt ist er noch unter dem Namen ‘Manuel Valdés’ aus meinem Fundacion March Rundgang.

Valdés ist berühmt-berüchtigt für seine ‘Meninas’, die spanischen Hoffräuleins und Infantinnen. Hier lieferte Velázques die geistige Vorlage mit seinen riesigen Bildern und Skulpturen, Valdés stellt sie als grafische Collagen und kleinformatige Skulpturen aus:


(Reina Mariana I, Grabado con Collage)

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Manolo Valdés is a painter, sculptor, and printmaker best known for his association with the artistic group Equipo Crónica. His works from this period often expressed political commentary, introducing a form of expression to Spain that combined political and social obligations with humor and irony, and whose art often was characterized by the use of unconventional materials and crudely-applied paint. Influenced by Velázquez, Rembrandt, Goya, Rubens, and Matisse, he creates large works, forceful and decorated with historical art symbols, in which the lighting and colors express a sensation of tactility.

Born 8

Born 8. Hatter neues Lieblingscafé. Hatter echt. Hatter sich von der Gastrobar abgewendet. Ja aber warum hatter denn?

Die Problematik des Wiederkehrers mit ausgeprägtem Stammgast-Image, des Gastes der zu oft kommt: Er wird zum Inventar. Er wird selbstverständlich. Er kommt eh immer wieder. Er wird: Unsichtbar. Verschmilzt mir der Wand. Oder dem Stuhl. Extra Schlanke verschmelzen im Winter wenn sie Pech haben sogar mit dem Heizstab.

Und so wartet er und harrt der Dinge, die da nicht kommen, hungert, dürstet, verzweifelt winkend, wünscht sich einen plärrenden ADHS-Nasenbohrer der grad publikumswirksam landet, denkt an Blinklichter auf dem Kopf oder große Pappschilder und merkt schnell dass unsichtbare Blinklichter und Pappschilder…
Aber ich schweife ab… gehen wir ein paar Meter…

…zu Jaime, Francisca und Mateu, die mittig am Paseo de Born, vis-à-vis vom Palast Can Alomar, schon eine Weile ein gemütliches Café am Laufen haben und seit diesem Sommer auch in der Mitte des 15 Meter breiten Paseo Tische und Stühle aufstellen dürfen. Gegen den Willen der Denkmalschutzvereinigung ARCA, aber lass sie schreien.

Miesepeter gibt es immer und wie schon weiter oben auf der Rambla, wo Außenplätze der Anrainer-Cafés und Bars seit längerem eine nette Alternative zu den unzähligen Blumenständen darstellen (schon mal versucht im Blumenstand ‘nen vernünftigen Espresso zu bekommen?), wird es hoffentlich auch hier mit der Außenbewirtschaftung weitergehen.

Auch innen is(s)t es (sich) hier sehr gemütlich, die Sitzbänke laden zum längeren Verweilen ein, die Stühle weniger. Die reserviere ich immer fürs erste Date. Die Art von Date bei dem schon die ersten 5 Minuten zu gefühlten Stunden werden, man nur noch an die Hintertür oder Selbstmord denkt, die Bestände vom Ginbo auf EX’ plötzlich keine Hürde mehr darstellen und sogar eine mit „Lady Schnatterley“ Gisela Schlüter geteilte Innenkabine auf ‘nem Kreuzfahrer entspannender war.

Der Espresso günstig, die Snacks und Speisen sehr gut, die Atmosphäre ruhig, der Service freundlich und ein paar Steckdosen immer in Reichweite. Meine Empfehlung.

Kewenig

Nach PalmaPhoto 2012 gibt die Galerie Kewenig momentan im Rahmen der Nit de l´Art 2012 nochmal den ‘Wüth(e)rich’ mit «The Real Life of Book – Butterflies».
Schmetterlinge als Scherenschnitte aus französischen Buchcovern stehen symbolhaft für Buch & Literatur in der Kunst:

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This colourful butterfly collection arose from snippets of book covers, and flutters through the San Feliu Chapel, converting it into a perfect setting to reveal Peter Wüthrich´s complex message.

The work of Peter Wüthrich is always of the same medium, the book, French paperback covers, revolving around the themes of love, life and death, just as the butterfly symbolizes life, death and rebirth in art. The artist concentrates on coloured classics dealing with the questions of our existance. The metamorphosis of classical literature bindings, where beautiful and fragile butterflies emerge, carrying messages from an imaginary and real world, as literature after all is transforming. The journey from book to butterfly seems likely when looking at earlier installations of the artist, in which brand-new open books perched on bars like winged creatures, observing the visitors from on high.

*Insiderjoke, featuring Yelp  vs. Qype

Interseccio Art

“EXPOSICIÓN” – TONI FONT / PATO CONDE y BRUNO DAUREO,
fins al 17 de novembre 2012

Interseccio Art, betrieben von einer deutschen Galeristin, residiert seit 2008 im Hinterstübchen einer kleinen Weinhandlung, die sich insbesondere auf mallorquinische Weine und antiquierte wiederauffüllbare Siphons spezialisiert hat. Also, öhm, die Weinhandlung hat sich auf Weine…, nicht die Gal…..! Ach, ihr wisst schon…

Wobei „Residiert“ exzessiv und hemmungslos übertrieben ist, das hier ist die erste mir bekannte Ein-Besucher-Ausstellung: Wenn der Zweite rein will, muss der Erste raus.

Viel erkennen werdet ihr wie bereits bei art aqua – the balance gallery nicht, was jetzt nicht daran liegt das ‘Santi Verzi’ seine Bilder geschrumpft oder ich mir auf dem Weg nach hinten mehrfach einen gezwitschert habe: Die Bilder sind schlicht so. Und klein. Echt klein. Winzig. Gehe gleich in den Makromodus…

Hat aber auch den Vorteil, dass bei Bedarf eine ganze Menge Bilder an eine Wand passen:

Ausstellung im Rahmen der Nit de l´Art 2012

Art Aqua Gerhardt Braun

Wie bereits GB Lighting und die art aqua – the balance gallery wird auch dieser Laden im Verbund von G. Braun betrieben. Der hier steuert den Hauptteil zum Kunst-Gestaltung-Einrichtungskonzept bei, mit einem breiten Spektrum an Licht, Kunst, Installationen, Wasserobjekten und Designermöbeln.

Nach Preisen für die Exponate habe ich lieber mal nicht gefragt, außerordentlich gefällig ist aber die Location. Ein Ex-Stadtpalast auf der C/ de Sant Feliu, inzwischen aufgeteilt in verschiedene Bereiche. Dieser wurde jahrelang (vor der Komplettsanierung) als Garage genutzt. Da reibt sich jetzt manch Wohnungssuchender Neu-Mallorquiner die Augen und ändert spontan die Such-Strategie:
Weg von den Wohnungsanzeigen, hin zur Abteilung: “Garagen, Schuppen & Verhaue…” ^^

Bunt ist jedenfalls die vorherrschende Farbgebung: Ein bißchen kommt man sich vor wie auf einem Lysergsäure-diäthylamid-Trip, der einen in Sphären außerhalb von Raum und Zeit katapultiert, den Kunden zum Psychonauten macht, das Hippie-Feeling der 60er wieder salonfähig machen möchte.
Vor meinem geistigen Auge sehe ich ständig den Inhaber, den iPod mit Psychedelic-Trance & Goa-Mukke befüllt und einer Ladung voll poppig-bunter Exponate in einem Kastenwagen über die Insel tingeln um die eingesessenen Alt-Mallorquiner hin zum halluzinogenen Einrichtungsstil zu missionieren.

art aqua – the balance gallery

Die Galerie ‘art aqua’ in den Räumen der ehemaligen ‘Galerie Kunstmann’ in der Altstadt von Palma wird seit einigen Jahren vom Galeristen G. Braun betrieben, der bereits eine Galerie in der Sant Feliu betreibt.

Hier “empfängt man Schallwellen und hört Musik, oder man konzentriert sich auf Lichtwellen und das daraus resultierende Bild”. OK, hab ich soweit verstanden, ich nenn es mal schlicht Radio hören und TV gucken. Oder so. Irgendwie. Wie auch immer…

Interessiert war ich aber an den laut Webseite propagiert “regelmäßig wechslenden Ausstellungen”.

Zitat: “Santi is back” 16.06 – 09.09.2011 – “Die aktuelle Ausstellung “Santi is back” mit Fotografien von Santi Verzi wurde wegen der großen Resonanz verlängert bis zum 09.09.2011.


Die Resonanz scheint bis heute anzuhalten, weil ‘Santi’ ist immer noch da, was mich persönlich natürlich freut. Kann ja schliesslich nicht in der Zeit zurückreisen. Hätte mich auch geärgert, schreiben das auf ihre Seite und dann isser schon wieder über den großen Teich. Und mit ihm die Bilder.

Santi Verzi, Fotokünstler, mit ‘New York in Motion’, einem kreativen Ansatz um die City anders zu visualisieren – Formen und Farben werden in fast malerisch verwischten Momentaufnahmen und Eindrücken dargestellt. Mir gefällts: Haben irgendwas von einer Symbiose aus eingeworfenem Halluzinogen, angehauchter Linse und dann mit 300 Sachen durch die Stadt:

Aber irgend jemand sollte sich mal um die Aktualisierung kümmern: entweder der Webseite, oder der Ausstellung. Oder vermisst der gute Mann seine Bilder gar nicht…?

Nachtrag Okt. 2012, ein Close-Up:


(New York, Hudson River)


(New York, hab ich vergessen)


(New York, Central Park-Szenen)